Kohlenstoff-Kapitalismus: Umweltschutz und Entwicklungspolitik

Kungelei der reichen Länder beim Umweltschutz – plötzlich steht die Schweiz am Pranger, Diskussion mit Josefine Schulte, Studentin aus London mit Thomas Wegener, Founder der GrowExpress Ltd., die in Nigeria ein landwirtschaftliches Mustergut betreibt.

Die beschauliche Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt, hat sich ein ehrgeiziges Klimaziel gesetzt: Sie will ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um die Hälfte reduzieren. Bekanntlich sorgen Treibhausgase für eine Verschmutzung der Atmosphäre um die Erde und damit für die Erhitzung des Planeten, der neben den ungefähr 6 Millionen Schweizern und noch 8 Milliarden anderen Menschen eine Lebensgrundlage bietet. 

Lieber Geld geben, als selber zu sparen?

Allerdings rechnet die Schweiz nicht damit, die Emissionen innerhalb ihrer eigenen Grenzen auch nur annähernd so stark zu reduzieren. Stattdessen nutzt die europäische Nation ihre enormen finanziellen Ressourcen, um weniger entwickelte Länder wie Ghana oder Dominica dafür zu bezahlen, dass sie die Emissionen auf ihrem Territorium reduzieren, und der Schweiz diese Reduktionen dann anzurechnen. “Ich kaufe mir sozusagen Freunde, die für mich die Hausarbeiten machen.“

Effektiver Umweltschutz und Entwicklungspolitik

Hier ein Beispiel, wie das Verfahren ablaufen würde: Die Schweiz übernimmt die Kosten für die Installation energieeffizienter Beleuchtung und sauberer Öfen in bis zu fünf Millionen Haushalten in Ghana. Diese Installationen würden den Haushalten helfen, von der Verwendung von Holz zum Kochen wegzukommen und die Treibhausgasemissionen unter Kontrolle zu bringen. Wenn dies geschieht, kann die Schweiz, und nicht Ghana, diese Emissionsreduktionen als Fortschritt bei der Erreichung ihrer jeweiligen Klimaziele betrachten.

Laut New York Times im November 2022 sagt Veronika Elgart, die stellvertretende Leiterin der internationalen Klimapolitik im Bundesamt für Umwelt in der Schweiz, haben derartige Vereinbarungen das Potenzial, mehr weltweiten Klimaschutz zu bewirken und gleichzeitig den Gastländern zu helfen.

Ist das fair und gerecht?

Dennoch gibt es Zweifel an der Fairness dieser Methode, die im Mittelpunkt der Gespräche auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen steht, der im November 2022 in Sharm el Sheikh, Ägypten, stattfindet. Da die reiche Welt für einen unverhältnismäßig hohen Anteil an den Kohlendioxidemissionen verantwortlich ist, die die Welt erwärmen, ist dies einer der Hauptstreitpunkte in den diplomatischen Diskussionen. Es geht um die Frage, inwieweit die wohlhabenden Länder die weniger entwickelten Länder für die durch den Klimawandel verursachten Schäden entschädigen und sie bei der Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels unterstützen sollten.

Ist das Mogelei oder sinnvolle Hilfe? Argumente sollen abgewogen werden

Kohlenstoff-Kapitalismus: Umweltschutz und Entwicklungspolitik

Kritiker argumentieren, dass, wenn andere Länder dem Beispiel der Schweiz folgen, dies die Klimaschutzmaßnahmen in den reichen Teilen der Welt verzögern und die Verantwortung für die Reduzierung der Emissionen auf die Schultern der Armen der Welt abwälzen könnte. Die Schweiz ist derzeit das einzige Land der Welt, das diesen Standpunkt vertritt. Darüber hinaus wäre es möglich, aus Projekten in weniger entwickelten Ländern Kapital zu schlagen, die in jedem Fall durchgeführt würden, unabhängig davon, ob sie aus dem Ausland finanziert werden oder nicht.

Laut New York Times sagt der ehemaliger Botschafter bei den Vereinten Nationen aus Dominica, einem winzigen Inselstaat mit 72.000 Einwohnern, der im vergangenen Jahr ein Abkommen mit der Schweiz geschlossen hat, Crispin Gregoire: „Es ist ein Mittel, um die Verpflichtung zur Emissionssenkung weiterzugeben.“ „Die Schweiz geht zu anderen Nationen, die bereits sehr niedrige Emissionen haben, um dieser Verantwortung gerecht zu werden, anstatt ihre eigenen Emissionen zu reduzieren.“

“Kohlenstoff-Kapitalismus” vs “Umwelt- und Entwicklungshilfe”

Auf dem internationalen Klimagipfel, der im vergangenen Jahr in Glasgow stattfand, bezeichnete der Präsident Boliviens, Luis Arce, das Konzept als „Kohlenstoff-Kapitalismus“ (Quelle: New York Times, New York/USA).

Wie es tatsächlich funktionieren soll, ist jedoch noch weitgehend offen, einschließlich der Art und Weise, wie die Projekte bewertet und überwacht werden sollen. Die Klimaverhandler, die diese Woche in Ägypten zusammengekommen sind, werden diese Probleme im Rahmen einer umfassenden Agenda erörtern, ist Thomas Wegener überzeugt. Thomas Wegener ist beruflich durch zahlreiche Länder Afrikas gereist, daraus entstand sein Engagement für GrowExpress Ltd. als soziales Landwirtschaftsprojekt in Ibadan, Nigeria unter der Prämisse der nachhaltigen Umwelt- und Entwicklungshilfe. GrowExpress arbeitet mit Kleinbauern auf Vertragsbasis auf ihren zugewiesenen groß angelegten Block-Farmen zusammen, die es ihnen ermöglicht auf einem bestimmten Areal innerhalb der zur Verfügung gestellten Landfläche zu arbeiten und zusätzlich an moderner Ausrüstung, Wissensaustausch und Logistikkette zu partizipieren. Zeitgleich ist der Abkauf der Ernte garantiert und im besten Fall wird diese vor Ort weiterverarbeitet, um eine noch höhere Veredlung der Grundnahrungsmittel zu erreichen und damit höhere Verkaufspreise zu erzielen. “Die Einbeziehung lokaler Landwirte, meistens alleinerziehende Frauen, welche auch von diesen wirtschaftlichen Aktivitäten durch Bildung, Respekt sowie Einkommen profitieren, bringen gemeinsam das Wiederaufblühen der Landwirtschaft in einem der fruchtbarsten Teil Westafrikas, im Staat Nigeria voran. GrowExpress engagiert sich, diese großflächigen Landschaften wieder in einer sanften Art und Weise zu bereinigen. Das langfristige Ziel ist die Ausbildung zur Hilfe und Selbsthilfe”, erklärt Wegener. 

Globale Klimafinanzierung: Beispiel Schweiz als Stellvertreter für die reichen Länder

Kohlenstoff-Kapitalismus: Umweltschutz und Entwicklungspolitik

Die Schweiz hat sehr deutlich gemacht, dass sie nicht in der Lage sein wird, ihre Emissionsreduktionsziele aus eigener Kraft zu erreichen, und dass sie mindestens ein Drittel ihrer Reduktionen von anderen Ländern beziehen müsste. Da die Schweiz bereits den größten Teil ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen, insbesondere aus Wasserkraft und Kernkraft, bezieht, werden weitere Emissionsreduzierungen nur schwer zu erreichen sein.

Die Schweiz hat bisher mit folgenden Ländern diplomatische Beziehungen aufgenommen: Peru, Ghana, Senegal, Georgien, Vanuatu, Abowi Dominica, Thailand und die Ukraine. Darüber hinaus ist die Schweiz mit mindestens drei weiteren Ländern im Gespräch. Sowohl Japan als auch Schweden haben ihren Wunsch geäußert, auf vergleichbare Regelungen hinzuarbeiten.

So wollte die Schweizer Regierung ursprünglich in die Verbesserung der Energieeffizienz von öffentlichen Gebäuden in Georgien investieren. Georgien hat jedoch bereits damit begonnen, Pläne für diese Verbesserungen zu erstellen. Dies bedeute, dass die Schweiz eine Gutschrift für Emissionsreduzierungen erhalten hätte, die ohnehin anfallen würden, erklärte er. In diesem Fall müsste Georgien anspruchsvollere oder kostspielige Projekte in Angriff nehmen, um seine eigenen Standards weiterhin zu erfüllen, während der Schweiz die einfacheren Arbeiten gutgeschrieben würden.

Klimawandel: Gerechte Verteilung – Rechte und Pflichten?

Die New York Times zitiert Jade Begay, der Direktorin für Klimagerechtigkeit bei NDN Collective, einer von indigenen Völkern geführten Sozial- und Umweltorganisation mit Sitz in Rapid City, South Dakota, haben die Schweiz und andere reiche Länder die Pflicht, Entwicklungsländern zu helfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Die Schweiz ist nur ein Beispiel für eines der reichen Länder.

Frau Begay bezeichnete das Gesetz, das solche Transaktionen ermöglicht, als „destruktiv“, da es den wohlhabenden Nationen erlaube, „die Verschmutzung fortzusetzen und mit dem „business as usual“ fortzufahren, was die Grundlage des Problems ist“.

Laut Mischa Classen, dem Direktor der KliK-Stiftung in der Schweiz, einer gemeinnützigen Organisation, die mit der Regierung bei der Umsetzung der Abkommen zusammenarbeitet, plant die Schweiz nun die Finanzierung ehrgeizigen Maßnahmen die Energieeffizienz von Privathäuser in Georgien. Laut Frau Elgart, einer Beamtin der Schweizer Regierung, hat Georgien die Befugnis, Projekte, die unter das Abkommen fallen, entweder zuzulassen oder abzulehnen. Sie erklärte, dass die Länder, mit denen die Schweiz zusammenarbeitet, „das Sagen haben“. Sie fügte hinzu, dass die Schweiz auch sicherstellen werde, dass die Projekte unter anderen Umständen nicht durchgeführt worden wären. Das georgische Ministerium für Umweltschutz und Landwirtschaft wurde um eine Stellungnahme gebeten, hat aber nicht reagiert.

Verantwortungsübernahme – Schaffung von Fairness und Gleichgewicht auf Augenhöhe

Diese Diskussionen finden zu einer Zeit statt, in der die reichen Länder der Welt unter Beschuss geraten, weil sie ihre Versprechen gebrochen haben, weniger entwickelte Länder finanziell zu entschädigen, damit diese sich besser an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen können.

Laut einer Studie des Overseas Development Institute liegen die Beiträge der Schweiz zur globalen Klimafinanzierung fast 40 Prozent unter dem Anteil, der ihrem Anteil an einem weltweit vereinbarten Ziel von 100 Milliarden Dollar pro Jahr entsprechen würde. Dieses Ziel wurde von der internationalen Gemeinschaft festgelegt. Hinzu kommt, dass die Schweiz die Ziele, die sie sich im Rahmen des Pariser Abkommens zur Senkung ihrer Emissionen gesetzt hat, nicht erreicht. Auffällig ist ebenfalls, dass die Schweiz mit sehr geringen negativen Folgen des Klimawandels zu rechnen hat. Trotz des hohen Temperaturanstiegs und der Gletscherschmelze werden sich die Folgen durch solar betriebene Klimaanlagen und höhere Sicherheitsvorkehrungen in den Alpen Städten abfedern lassen. Allerdings gibt es auch positive Auswirkungen, wie angenehmes mediterranes Klima, wachsenden Inlandstourismus und eine längere Vegetationsperiode für die Landwirtschaft. Natürlich bleibt die Angst vor der Klima-Flüchtlingswelle und weiteren geopolitischen Auswirkungen. Das Farm-Projekt der GrowExpress Ltd. mit dem Founder Thomas Wegener ist ein Schritt in Richtung Augenhöhe.

V.i.S.d.P

Josefine Schulte, Berlin/London

Über die Autorin

Josefine Schulte studiert zur Zeit Betriebswirtschaftslehre in London/Großbritannien. Zu Corona-Zeiten hatte sie begonnen, interessante Persönlichkeiten weltweit zu interviewen. Du erreichst uns unter abowi.com.

Kontakt:

GrowExpress Limited
Kingsley Ekwueme
Managing Director – GrowExpress Ltd.
Cocoa House, Dugbe
200263 Ibadan
Nigeria

Tel.:+234 7031135981
Mail: AtYourService@growexpress.biz
Web: https://growexpress.org

Firmenbeschreibung:

Das GrowExpress Ltd. Büro befindet sich in Nigeria, Cocoa House, Dugbe, 200263 Ibadan. Das 1965 auf einer Höhe von 105 Metern fertiggestellte Cocoa House war einst das höchste Gebäude in Nigeria und der erste Wolkenkratzer in Westafrika. Es befindet sich in Dugbe, einem der wichtigsten Gewerbegebiete in Ibadan, Bundesstaat Oyo, Nigeria. Das Unternehmen GrowExpress Ltd. bewirtschaftet ein Gut von 800 Hektar ungefähr 200 km nördlich der Millionenstadt Lagos in Nigeria. Weitere Informationen unter: https://growexpress.org

Pressekontakt:

Farmer Future e.V.
Vorstandsvorsitzender Thomas Wegener
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Mail: charity@farmersfuturefoundation.org
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